Wenn ein Kunde anruft und fragt: “Was zahlen Sie heute für Kupfer?”, wäre die einfache Antwort eine konkrete Zahl. Die Realität ist komplizierter — der Preis, den ein Schrotthandel zahlen kann, ändert sich täglich, manchmal mehrmals am Tag, und folgt einem globalen Markt, der in London festgelegt wird.
Hier eine Einordnung, warum das so ist, und was das für Sie als Verkäufer bedeutet.
Die Londoner Metallbörse (LME)
Die London Metal Exchange (LME) ist die wichtigste Referenzbörse für sogenannte Nichteisenmetalle weltweit. Hier werden täglich Verträge über Kupfer, Aluminium, Zink, Blei, Nickel und Zinn gehandelt — sowohl für die sofortige Lieferung (Cash-Preis) als auch für Lieferungen in der Zukunft (Future-Preis, oft 3 Monate).
Der LME-Kupferpreis ist die globale Referenz. Egal ob Schrotthandel in Herne, Hütte in Hamburg oder Verarbeiter in Shanghai — alle orientieren sich an dem Tageskurs.
Der Preis wird in US-Dollar pro metrische Tonne notiert. Aktuelle Größenordnung (variiert stark): rund 8.000 bis 10.000 US-Dollar je Tonne, was umgerechnet etwa 7 bis 9 Euro pro Kilogramm reinem Kupfer entspricht.
Was den Preis bewegt
Kupfer ist nicht einfach ein Metall, das man tauscht — es ist ein Indikator der Weltwirtschaft. Die wichtigsten Treiber:
Nachfrage aus China
China verbraucht etwa die Hälfte des weltweit produzierten Kupfers. Wenn die chinesische Bauindustrie wächst oder Elektrofahrzeuge dort einen Schub bekommen, schnellt der Preis nach oben. Schwächt sich die Konjunktur ab, fällt er.
Energiewende
Solar, Wind, Elektrofahrzeuge und Stromnetze brauchen enorme Mengen Kupfer. Ein E-Auto enthält etwa viermal so viel Kupfer wie ein Verbrenner. Diese strukturelle Nachfrage drückt den Preis langfristig nach oben.
Minenproduktion
Kupfer wird in wenigen großen Minen abgebaut, vor allem in Chile, Peru, China und Australien. Streiks, geologische Probleme oder politische Eingriffe (Verstaatlichung, Steuererhöhungen) verknappen das Angebot — und der Preis steigt sofort.
US-Dollar-Kurs
Da Kupfer in Dollar notiert wird, beeinflusst der Euro-Dollar-Wechselkurs den Preis hier. Ein schwacher Dollar = teureres Kupfer in Euro umgerechnet.
Spekulation
Hedgefonds und Investmentbanken handeln Kupfer als Anlagewert. Diese Finanzgeschäfte können kurzfristige Schwankungen verursachen, die nichts mit der realen Nachfrage zu tun haben.
Vom LME-Preis zum Ankaufspreis
Wenn die LME also 9 Euro pro Kilogramm reines Kupfer notiert, warum bekommt der Verkäufer von Altkupfer nicht 9 Euro?
Weil zwischen dem Kupferschrott und dem reinen Metall noch Verarbeitungs- und Logistikkosten liegen:
- Sortierung: Reines Kupfer (blanker Draht) hat einen anderen Wert als gemischtes Kupfer mit Verzunderung, Lötstellen oder Lackbeschichtung.
- Transport: Schrott muss zur Verwertungsanlage. Ein LKW-Transport von Herne nach Belgien kostet Geld.
- Aufbereitung: Beim Verarbeiter wird das Kupfer eingeschmolzen, raffiniert und neu gegossen. Diese Arbeit kostet pro Tonne.
- Marge: Der Schrotthändler verdient an der Differenz — das ist sein Geschäft.
Realistischerweise liegt der Ankaufspreis je nach Qualität bei 50–80 % des reinen LME-Werts. Bei sortenreinem, blankem Kupferdraht eher am oberen Ende, bei gemischtem oder beschichtetem Material eher am unteren.
Kupfer-Sortierung verstehen
Wer mit Kupfer handelt, muss die gängigen Sorten kennen:
- Kupfer Kerze (Mille-Berry): blanker, sauberer Kupferdraht — höchster Preis
- Kupfer Birke (Birch-Cliff): blanker oder leicht oxidierter Draht, dünn — etwas darunter
- Kupfer gemischt (Druid): alter, anlaufender Draht und Stücke — wieder darunter
- Kupferschrott rot: gemischtes Material mit etwas Verzunderung
- Kupferkabel: je nach Kupferanteil (Verhältnis Cu zur Ummantelung)
- Heizungskupfer / Sanitär: Rohre, oft mit Lot und Verbindungen
- Spulen / Motorwicklungen: hoher Kupferanteil, aber mit Eisen-Außenkörper
Wer seinen Kupferschrott vorsortiert, bekommt fast immer einen besseren Preis als bei Anlieferung als Mischmaterial.
Was bedeutet das für mich als Verkäufer?
Drei praktische Tipps:
1. Tagespreis nachfragen, nicht “den Preis”
Wenn jemand Ihnen einen festen Kilo-Preis nennt, der gestern, heute und in zwei Wochen gleich ist, ist das ein Warnsignal. Seriöser Schrotthandel orientiert sich am Tageskurs.
2. Geeicht wiegen lassen
Eine fest installierte, geeichte Waage ist Pflicht. Mobile, ungeeichte Hausnummern sind ein No-Go. Sie haben das Recht, die Wiegung zu beobachten und die Zahl zu prüfen.
3. Quittung verlangen
Bei größeren Mengen Kupfer (ab einigen hundert Euro) ist eine schriftliche Quittung üblich und sinnvoll — auch für die spätere Buchhaltung. Bei kleineren Mengen reicht meist die mündliche Bestätigung mit Auszahlung.
Fazit
Der Kupferpreis ist kein Wert, den der Schrotthandel willkürlich festlegt — er ist eine Konsequenz des globalen Rohstoffmarkts, der in London festgelegt und in NRW täglich angewendet wird. Wer das versteht, kann den Markt nutzen: Sortenrein anliefern, geeicht wiegen lassen, Tagespreis erfragen — und mit dem Verkauf den fairen Marktwert mitnehmen.
Wenn Sie eine größere Menge Kupfer haben — ob Sanitärinstallateur, Elektrobetrieb, Werkstatt oder Privatperson nach Haussanierung — bewerten wir das gerne vor Ort. Anruf, WhatsApp oder Kontaktformular.